Jetzt im Kino

Charlotte (Corinna Harfouch) steckt in einer schwierigen Phase: Nach 37 Jahren, 5 Monaten und 21 Tagen besteht ihre Ehe mit Paul (Karl Kranzkowski) nur noch aus Routine und Missverständnissen. Dabei hätte sie ihm viel zu erzählen; zum Beispiel, dass sie in letzter Zeit mehr vergisst, als sie erlebt.

Doch Charlotte hat beschlossen, ihr Leben noch einmal in vollen Zügen genießen. Und so lässt sie ihren Mann einfach an einer Autobahnraststätte zurück, um gemeinsam mit ihrer aufgeweckten Enkelin Jo ans Meer aufzubrechen.

Mithilfe der Truckerin Marion (Sabine Timoteo) reisen Paul und Jos chaotische Mutter Alex (Meret Becker) den beiden hinterher. Auf einer einsamen Insel angekommen, treffen sie sich in der äußerst ungewöhnlichen ‚Pension Horster‘. Allmählich findet die Familie dort wieder zueinander, und auch Charlotte und Paul versuchen, ihre Liebe neu zu erfinden.

WER HAT EIGENTLICH DIE LIEBE ERFUNDEN? ist ein charmanter Mix aus LITTLE MISS SUNSHINE mit einem Hauch AMÉLIE. Die fantasievolle Komödie verzaubert mit ungewöhnlichen Bildern und dem wunderbaren Ensemble um Corinna Harfouch und Meret Becker. Mit der Musik von Hannes Shaban Gwisdek, Meret Becker & Käptn Peng.

INTERVIEW MIT DER REGISSEURIN KERSTIN POLTE

WER HAT EIGENTLICH DIE LIEBE ERFUNDEN? ist ihr Spielfilmdebüt. Es heißt ja oft, der erste Film wäre fast zwangsläufig autobiografisch. War das bei Ihnen auch so?

Ich glaube, dass man grundsätzlich von Situationen, Themen und Menschen erzählt, die einen berühren, die man in seinem Leben kurz oder lang kreuzt, die einen nicht mehr loslassen. Das müssen nicht unbedingt nur autobiografische Momente sein, dass kann auch – wie in meinem Fall – eine Perspektivverschiebung auf das Leben sein.

Ich glaube, wir sind alle ein bisschen wie Charlotte und Paul: Wir lieben Airbags, Antibiotika und Antivirenprogramme – weil wir durch sie die Illusion haben, dass uns nichts passieren kann. Wir vergessen, dass wir uns mit all den angelegten Sicherheitsgurten irgendwann gar nicht mehr wirklich bewegen können. Wir vergessen auch mal kreuz und quer zu leben, eine Haltestelle später auszusteigen, Ja anstelle von Nein zu sagen. Wir verschieben unsere Abenteuer und Sehnsüchte auf morgen. Und wenn das Morgen endlich kommt – die vermeintliche Freiheit, die Pensionierung, die finanzielle Unabhängigkeit – macht das Leben uns allzu häufig einen Strich durch die Rechnung. „Wieso soll ich verschwinden, wenn ich gar nicht da war?“ fragt Charlotte. Wir haben nur dieses eine Leben. Worauf warten wir noch?

Sie haben Ihrem Film auch die Struktur eines Roadmovies gegeben. Warum?

Die Geschichte ist letztlich eine Reise meiner Figuren von der Enge ihres Alltags, von der eingeklemmten Drehtür am Anfang, bis hin zur Weite, zu den Wolken und zum Meer, wo sie endlich wieder atmen können. Es ist ein Prozess, ein Dialog, ein Suchen und Finden, bis sie sich wieder nahe genug sind, um sich neu zu begegnen. Oder um sich wieder abzustoßen. Die Kamera ist also immer in Bewegung. Nicht hektisch und nicht wild, aber immer in Bewegung. Und der Zuschauer wird mitgenommen, ist eigentlich gar kein Zuschauer, sondern Teilnehmer dieser Reise. Auf Augenhöhe. Wir sind mittendrin im Abenteuer. Ich würde meinen Film aber nicht als klassisches Roadmovie bezeichnen. Unsere Reise hangelt sich vielmehr an inneren Wegpunkten und emotionalen Bewegungen entlang. Die vermeintlichen äußeren Anlaufstellen sind universelle, innere Stationen des Lebens, die durch den ganz eigenen Blick und das spezielle Bedürfnis unserer Charaktere eine besondere poetische Funktion und Aufladung erhalten. Eine Zuschauerin meinte zum Beispiel, dass der Film eine Reise in Charlottes Kopf ist, in ihre Krankheit und Sehnsüchte. Oder die Familie hat sich diese Geschichte für Charlotte ausgedacht und sie ihr am Sterbebett erzählt. Das darf jeder so interpretieren, wie er mag, es gibt kein Richtig und Falsch.

Die Geschichte fängt alltäglich an und wandelt sich ganz allmählich zu etwas, das man als magischen Realismus bezeichnen könnte, oder?

Exakt. Das war so auch schon im Drehbuch vorgesehen. Uns war natürlich klar, dass es sich dabei um einen Drahtseilakt handelt. Für die Figuren geht es darum, mutig zu sein und etwas Neues zu wagen, deshalb war es mir ein großes Anliegen, dass wir – die Macher – ebenso mutig sein mussten. In meiner Inszenierung wollte ich das realistische Zeit- und Raumgefühl immer mehr auflösen, zugunsten einer Erzählung, die sich mehr an Fragmenten, emotionalen Zuständen, den Möglichkeiten und Unmöglichkeiten des Lebens orientiert. Fantastische und surreale Momente und Figuren werden in der Inszenierung also nicht unterschieden, sondern miteinander atmosphärisch verdichtet, denn: Solange ich berührt werde, ist es nicht wichtig, ob ich träume oder nicht.

Noch ein Wort zur Musik. Sie wurde live eingespielt, was bei Filmprojekten eher selten der Fall ist.

Das war eine sehr spannende Arbeit mit Hannes Gwisdek (& seiner tollen Filmband) und Meret Becker. Anhand des Buches gab es vor dem Dreh zwei, drei Jamsessions – dabei ist zum Beispiel der Titelsong „Monster“ entstanden. Diese Aufnahmen hatten wir dann mit auf dem Set dabei, auch um in die Stimmung reinzukommen. Ich liebe es, mich von Musik inspirieren zu lassen. Die Musiker waren ebenfalls auf dem Set und haben dort live in zwei Szenen gespielt. Nach dem Dreh – bevor die Musiker noch erste Bilder des Films gesehen hatten – wurden Eindrücke vom Set musikalisch verarbeitet, da hat Meret zum Beispiel auch ihr eigenes „Liebeslied“ geschrieben. Erst ganz am Ende gab es dann noch mal eine Session, bei der alles was noch fehlte - ebenfalls live - aufgenommen wurde; es sollte auch mal kratzen, mit Fehlern, sinnlich, organisch werden und nicht so perfekt klingen. Wir wollten keinen glatten, digitalen Sound. Insgesamt war es wirklich eine tolle und besondere Arbeit, die aber gut zum Film passt.

Cast & Crew

BESETZUNG

  • Charlotte - Corinna Harfouch
  • Alex - Meret Becker
  • Marion - Sabine Timoteo
  • Paul - Karl Kranzkowski
  • Jo - Annalee Ranft
  • Hörster - Bruno Cathomas

STAB

  • Regie, Drehbuch - Kerstin Polte
  • Kamera - Anina Gmuer
  • Szenenbild - Ina Timmerberg
  • Kostüm - Tanja Liebermann
  • Schnitt - Ulf Albert, Jutta Wiedwald
  • Ton - Ivo Schläpfer
  • Musik - Johannes Gwisdek, Meret Becker
  • Produzenten - Jonas Katzenstein, Maximilian Leo
  • Co-Produzenten - Rajko Jazbec, Dario Schoch
  • Herstellungsleiter - Philipp Stendebach
Jetzt im Kino

Charlotte (Corinna Harfouch) steckt in einer schwierigen Phase: Nach 37 Jahren, 5 Monaten und 21 Tagen besteht ihre Ehe mit Paul (Karl Kranzkowski) nur noch aus Routine und Missverständnissen. Dabei hätte sie ihm viel zu erzählen; zum Beispiel, dass sie in letzter Zeit mehr vergisst, als sie erlebt.

Doch Charlotte hat beschlossen, ihr Leben noch einmal in vollen Zügen genießen. Und so lässt sie ihren Mann einfach an einer Autobahnraststätte zurück, um gemeinsam mit ihrer aufgeweckten Enkelin Jo ans Meer aufzubrechen.

Mithilfe der Truckerin Marion (Sabine Timoteo) reisen Paul und Jos chaotische Mutter Alex (Meret Becker) den beiden hinterher. Auf einer einsamen Insel angekommen, treffen sie sich in der äußerst ungewöhnlichen ‚Pension Horster‘. Allmählich findet die Familie dort wieder zueinander, und auch Charlotte und Paul versuchen, ihre Liebe neu zu erfinden.

WER HAT EIGENTLICH DIE LIEBE ERFUNDEN? ist ein charmanter Mix aus LITTLE MISS SUNSHINE mit einem Hauch AMÉLIE. Die fantasievolle Komödie verzaubert mit ungewöhnlichen Bildern und dem wunderbaren Ensemble um Corinna Harfouch und Meret Becker. Mit der Musik von Hannes Shaban Gwisdek, Meret Becker & Käptn Peng.

INTERVIEW MIT DER REGISSEURIN KERSTIN POLTE

WER HAT EIGENTLICH DIE LIEBE ERFUNDEN? ist ihr Spielfilmdebüt. Es heißt ja oft, der erste Film wäre fast zwangsläufig autobiografisch. War das bei Ihnen auch so?

Ich glaube, dass man grundsätzlich von Situationen, Themen und Menschen erzählt, die einen berühren, die man in seinem Leben kurz oder lang kreuzt, die einen nicht mehr loslassen. Das müssen nicht unbedingt nur autobiografische Momente sein, dass kann auch – wie in meinem Fall – eine Perspektivverschiebung auf das Leben sein.

Ich glaube, wir sind alle ein bisschen wie Charlotte und Paul: Wir lieben Airbags, Antibiotika und Antivirenprogramme – weil wir durch sie die Illusion haben, dass uns nichts passieren kann. Wir vergessen, dass wir uns mit all den angelegten Sicherheitsgurten irgendwann gar nicht mehr wirklich bewegen können. Wir vergessen auch mal kreuz und quer zu leben, eine Haltestelle später auszusteigen, Ja anstelle von Nein zu sagen. Wir verschieben unsere Abenteuer und Sehnsüchte auf morgen. Und wenn das Morgen endlich kommt – die vermeintliche Freiheit, die Pensionierung, die finanzielle Unabhängigkeit – macht das Leben uns allzu häufig einen Strich durch die Rechnung. „Wieso soll ich verschwinden, wenn ich gar nicht da war?“ fragt Charlotte. Wir haben nur dieses eine Leben. Worauf warten wir noch?

Sie haben Ihrem Film auch die Struktur eines Roadmovies gegeben. Warum?

Die Geschichte ist letztlich eine Reise meiner Figuren von der Enge ihres Alltags, von der eingeklemmten Drehtür am Anfang, bis hin zur Weite, zu den Wolken und zum Meer, wo sie endlich wieder atmen können. Es ist ein Prozess, ein Dialog, ein Suchen und Finden, bis sie sich wieder nahe genug sind, um sich neu zu begegnen. Oder um sich wieder abzustoßen. Die Kamera ist also immer in Bewegung. Nicht hektisch und nicht wild, aber immer in Bewegung. Und der Zuschauer wird mitgenommen, ist eigentlich gar kein Zuschauer, sondern Teilnehmer dieser Reise. Auf Augenhöhe. Wir sind mittendrin im Abenteuer. Ich würde meinen Film aber nicht als klassisches Roadmovie bezeichnen. Unsere Reise hangelt sich vielmehr an inneren Wegpunkten und emotionalen Bewegungen entlang. Die vermeintlichen äußeren Anlaufstellen sind universelle, innere Stationen des Lebens, die durch den ganz eigenen Blick und das spezielle Bedürfnis unserer Charaktere eine besondere poetische Funktion und Aufladung erhalten. Eine Zuschauerin meinte zum Beispiel, dass der Film eine Reise in Charlottes Kopf ist, in ihre Krankheit und Sehnsüchte. Oder die Familie hat sich diese Geschichte für Charlotte ausgedacht und sie ihr am Sterbebett erzählt. Das darf jeder so interpretieren, wie er mag, es gibt kein Richtig und Falsch.

Die Geschichte fängt alltäglich an und wandelt sich ganz allmählich zu etwas, das man als magischen Realismus bezeichnen könnte, oder?

Exakt. Das war so auch schon im Drehbuch vorgesehen. Uns war natürlich klar, dass es sich dabei um einen Drahtseilakt handelt. Für die Figuren geht es darum, mutig zu sein und etwas Neues zu wagen, deshalb war es mir ein großes Anliegen, dass wir – die Macher – ebenso mutig sein mussten. In meiner Inszenierung wollte ich das realistische Zeit- und Raumgefühl immer mehr auflösen, zugunsten einer Erzählung, die sich mehr an Fragmenten, emotionalen Zuständen, den Möglichkeiten und Unmöglichkeiten des Lebens orientiert. Fantastische und surreale Momente und Figuren werden in der Inszenierung also nicht unterschieden, sondern miteinander atmosphärisch verdichtet, denn: Solange ich berührt werde, ist es nicht wichtig, ob ich träume oder nicht.

Noch ein Wort zur Musik. Sie wurde live eingespielt, was bei Filmprojekten eher selten der Fall ist.

Das war eine sehr spannende Arbeit mit Hannes Gwisdek (& seiner tollen Filmband) und Meret Becker. Anhand des Buches gab es vor dem Dreh zwei, drei Jamsessions – dabei ist zum Beispiel der Titelsong „Monster“ entstanden. Diese Aufnahmen hatten wir dann mit auf dem Set dabei, auch um in die Stimmung reinzukommen. Ich liebe es, mich von Musik inspirieren zu lassen. Die Musiker waren ebenfalls auf dem Set und haben dort live in zwei Szenen gespielt. Nach dem Dreh – bevor die Musiker noch erste Bilder des Films gesehen hatten – wurden Eindrücke vom Set musikalisch verarbeitet, da hat Meret zum Beispiel auch ihr eigenes „Liebeslied“ geschrieben. Erst ganz am Ende gab es dann noch mal eine Session, bei der alles was noch fehlte - ebenfalls live - aufgenommen wurde; es sollte auch mal kratzen, mit Fehlern, sinnlich, organisch werden und nicht so perfekt klingen. Wir wollten keinen glatten, digitalen Sound. Insgesamt war es wirklich eine tolle und besondere Arbeit, die aber gut zum Film passt.

Cast & Crew

BESETZUNG

  • Charlotte - Corinna Harfouch
  • Alex - Meret Becker
  • Marion - Sabine Timoteo
  • Paul - Karl Kranzkowski
  • Jo - Annalee Ranft
  • Hörster - Bruno Cathomas

STAB

  • Regie, Drehbuch - Kerstin Polte
  • Kamera - Anina Gmuer
  • Szenenbild - Ina Timmerberg
  • Kostüm - Tanja Liebermann
  • Schnitt - Ulf Albert, Jutta Wiedwald
  • Ton - Ivo Schläpfer
  • Musik - Johannes Gwisdek, Meret Becker
  • Produzenten - Jonas Katzenstein, Maximilian Leo
  • Co-Produzenten - Rajko Jazbec, Dario Schoch
  • Herstellungsleiter - Philipp Stendebach